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NEWS Letzte Meldungen aus Israel – Konflikt Israel - Palästinenser




Informiere dich aus erster Hand

http://www.mediamonster.de/piil.htm

zeigt Dir wichtige Quellen in Israel:

Ich empfehle:


http://www.haaretzdaily.com/


Sie meldet heute Abend (12. April) 45 tote

Palästinenser und 28 israelische Soldaten

in Jenin.


http://www.jpost.com/


http://www.metimes.com/

Eine Ägyptische Zeitung

http://www.ynet.co.il/

Leider wird diese Zeitung herbräisch ins
Web gestellt!







MARGRET GREINER

Margret Greiner lebt im jüdischen Teil
von Jerusalem und arbeitet als Lehrerin
an einer palästinensischen Schule
in Ostjerusalem.



Khoulud ist 17. “Unser Leben ist anders, unsere Träume sind anders. Alles ist anders”, schreibt sie. “Wovon wir träumen, ist Freiheit für unser Land, Palästina. Wen unser Land frei wird, können wir leben wie alle Teenager auf der ganzen wElt und nicht wie in einem Gefängnis.



Zum Thema "Ein glücklicher Tag" schreibt eine Schülerin meiner 11. Klasse, wie es in ihrer Familie ein großes spontanes Fest nach dem Selbstmord-Attentat in der Sbarro-Pizzeria im letzten August gab. Als ich ihr den Aufsatz zurückgebe mit den Worten, es sei für mich un-
erträglich, dass man sich über den Tod unschuldiger Menschen freue, kann sie mich nicht verstehen. "Aber Miss", sagt sie", das ist doch normal. Wir müssen das doch tun. Und dann ist es doch auch gut,
wenn so ein Bombinb erfolgreich ist.” Sie sagt das in aller Unschuld, ohne jedes Unrechtsbewusstsein, einfach nur erstaunt, dass ich etwas so Einleuchtendes nicht auf Anhieb verstehe.

Wer immer einen Menschen getötet hat, der einen Konflikt mit den Muslimen hatte, soll nicht den Wohlgeruch des Paradieses atmen, sagt Mohammd, der Prophet. Der ethische Grundsatz, nach dem im Islam das Töten Unschuldiger verabscheuungswürdig ist, ist bei vielen Menschen längst zur Disposition gestellt. Aber es gibt auch andere.

Miss Hiba ist eine Kollegin aus Beit Jala. Monatelang hat sie die Schießereien zwischen Gilo und Beit Jala miterlebt. Ihr Haus ist bombardiert worden, das Auto ihres Vaters ist in die Luft geflogen. Jetzt hat sie seit Wochen jeden Tag die Belastung eines völlig unsicheren Schulwegs. Zwei Stunden vor Unterrichtsbeginn fährt sie mit ihrem Wagen los. Normalerweise wäre sie in 20 Minuten in Jerusalem. Jetzt muss sie erst einmal auskundschaften, welcher Checkpoint geöffnet ist, das kann von Tag zu Tag wechseln. Dann steht sie am Grenzübergang und wartet. Wenn sie Glück hat, dauert die Wartezeit nur eine Stunde, das hängt von der Laune der israelischen Soldaten ab. "Was machen Sie in dieser Zeit?", frage ich sie. "Ich bete, und ich korrigiere Klassenarbeiten." "Werden Sie nicht aggressiv, wenn Sie sich den täglichen Behinderungen ausgesetzt sehen?" "Ich hasse die Juden nicht, ich hasse nur ihre Politik. Ich bete auch für die jüdischen Soldaten, diese einfältigen Kinder. . .

"Stoppt die Okkupation! Geht heraus aus den Territories! Geht zurück zu euch selbst!" Das waren die Slogans einer Friedensdemontration Anfang März in Jerusalem.

Als hätte man ihnen einen Schleier von den Augen gezogen, sehen jetzt immer mehr Israeli, dass das Land nicht nur mit Menschenleben diesen Krieg bezahlt, nicht nur mit Haushaltsdefizit, sinkendem Bruttosozialprodukt und steigender Arbeitslosigkeit, sondern auch mit dem Verlust an moralischer Stärke, an Humanität.


Am 10. März geschieht das Attentat auf das"Moment"-Cafe, das meine Illusion zerstört hat, es gäbe in Jerusalem noch einen Platz, wo man sich sicher fühlen kann. Das Cafe liegt praktisch vor meiner Haustür. Jeden Tag gehe ich vorbei. Das Cafe ist nicht schön, aber hier gibt es eine gute Pizza, einen ordentlichen Espresso, vor allem gibt es hier Menschen, mit denen man gerne redet, weil sie offen, tolerant und liberal sind.

Dieses Attentat hat einiges in mir verändert. Bis jetzt hatte ich gedacht, mich durch Vorsicht und Umsicht schützen zu können. Bis jetzt fühlte ich mich wenigstens in meinem Viertel sicher und geborgen. Bis jetzt gab es immer noch einige Bewegungsfreiheit. Bis jetzt war mir die Gefahr nicht auf den Leib gerückt. Seit dem Abend, an dem die Ambulanzen durch "meine" Straße heulten und sich das Sirenengeheul nicht in der Feine verlor, sondern in der unmittelbaren Nähe blieb, ist meine Seelenruhe dahin. Ich spüre meine Verwundbarkeit.

Die elf Todesopfer waren junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren. Unter ihnen war ein junges Liebespaar, im Mai sollte Hochzeit sein. Nach dem Schock des Todes gibt es verzweifelte Versuche der Angehörigen, Zeichen zu setzen, um dem Untwenschlichen etwas Menschliches abzutrotzen. So haben die Familien das junge Liebespaar vom "Moment"-Caf~, Danit Dagan und Uri Felix, nebeneinander in einer Grabstelle begraben. Die Mutter hat ihrer Tochter das traditionelle Brautbukett aus roten Rosen aufs Grab gelegt. Aber eine Hochzeit "post mortem" ist eine traurige Stellvertretung für das Leben, das gelebt werden wollte.

Ich höre von Mohammed el Haiyek, der versuchte, seine 20-jährige Frau zur Geburt ihres ersten Kindes in ein Krankenhaus nach Nablus zu bringen. Bei der ersten Straßensperre ließen die israelischen Soldaten das Auto passieren. Beim zweiten Checkpoint wurde sofort schrf geschossen. Der 24-jährige Mohammed starb, ebenso der ihn begleitende Vater. Die junge Frau wurde schwer verwundet. Stunden später gebar sie im Krankenhaus in Nablus eine gesunde Tochter. Am selben Tag wurde bei einem Attentat eine hochschwangere israelische Frau verletzt und brachte wenig später ein Kind zur Welt. Ein Journalist verstieg sich angesichts der Simultaneität der Ereignisse zur Formulierung: “Das ist die Poesie des Krieges.”

Bei der Besetzung von Flüchtlingslagern in Bethlehem und Gaza haben israelische Soldaten gefangen genommenen Palästinensern die Augen verbunden, sie mit erhobenen Armen an Hausmauern stehen lassen, haben ihnen Nummern auf die Arme geschrieben. Kann sich die kollektive Erinnerung eines Volkes so verflüchtigen?



Amos Oz, der als Mitbegründer von “PEACE NOW”: ..
“Mein Großvater wurde herumgeworfen wie ein Stück Dreck, das Europa ausgespuckt hatte”, sagt oz. "Die Bot-schaft war: Geht von hier weg, geht von dort weg. Kommt nur nicht zu uns. Seid nicht hier, seid nicht dort. In anderen Worten: existiert überhaupt nicht. Wir werden euch vielleicht nicht töten, das ist eine schmutzige Sache, und wir sind nicht so, aber ihr werdet nicht existieren. Ihr werdet sterben."

Oz gebraucht das Wort von der "Waisenschaft", von der Ungeborgenheit die selbst dann blieb, als die Familie in Palästina war. Seine Eltern zerbrachen am Leben, seine Mutter beging Sebstmord als er 12 war zwölf war, sein Vater zog sich in seine Innenwelt zurück, Amos änderte seinen Namen von Klausner in Oz (der Starke) und ging in einen Kibbuz - wie in ein Waisenhaus.

Er nennt als seine traumatisehe Erfahrung, dass Juden überall mit Rücken an der Wand stehen. Er sagt: "Mein Zionismus beginnt und endet damit, dass es kein Mensch verdient, das durchzumachen, was meine Eltern und deren Eltern und die Eltern dieser Eltern durchgemacht haben. Darum hat das jüdische Volk das Recht an einem Ort in der Mehrheit zu sein, und dieses Recht ist unanfechtbar. Dieses Recht ist verankert in der erlittenen Demütigung, immer und überall eine Minderheit gewesen zu sein."

Eine alte israelische Dame sagte bei einer Abend-gesellschaft: "Wir haben 50 Jahre gebraucht, um den Holocaust zu verarbeiten und zu halbwegs normalen
Beziehungen zu dem Land unserer früheren Peiniger zu gelangen. Wie sollen analog die Palästinenser mit all dem Hass fertig werden, der jeden Tag von uns neu
- genährt wird? Von einem friedlichen Zusammenleben können wir nur träumen. Es wird Generationen dauern" Und ein bekannter Historiker der Hebräischen Universität ergänzte:
"Es wäre eine Katastrophe, wenn wir diesen Krieg
gewinnen würden.”


Quelle: SZ 1. April 2002






Live Pic by JERUSALEM POST










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INTERVIEW YOSSIE ALPHER

Sharons Weg für Israel


Zeit für den Rückzug

Premier Scharons Offensive verliert an Unterstützung bei Amerikanern und israelischen Wählern. Ein Interview mit dem Sicherheitsexperten Yossi Alpher

DIE ZEIT: Am Donnerstag wird der amerikanische Nahost-Sonderbeauftragte Anthony Zinni zu einem erneuten Vermittlungsversuch in jerusalem und Ramallah erwartet. Gleichzeitig kommt USVizepräsident Dick Cheney in die Region. Ist das Anlass zu Hoffnung?

YOSSI ALPHER: Es handelt sich um zwei verschiedene Missionen, die aber trotzdem miteinander verbunden sind. Cheney kommt, um eine mögliche amerikanische Offensive gegen den Irak vorzubereiten. Washington muss deshalb versuchen, die prowestlichen arabischen Länder fest auf seine Seite zu bringen oder zumindest deren Opposition zu neutralisieren.

Die Zinni-Mission ist viel komplexer. Sie soll die Antwort sein auf zweierlei- auf das anhaltende Blutvergießen, das die Welt täglich im Fernsehen verfolgt, sowie auf den arabischeuropäischen Druck auf die amerikanische Regierung, nicht länger untätig zuzuschauen. Hätte sich Zinni nicht auf den Weg gemacht, wäre es für Cheney viel schwieriger, in der arabischen Welt um Unterstützung zu werben. Er würde überall nur hören: Wie können wir über den Irak reden, wenn an der israelisch-palästinensischen Front nichts unternommen wird?

ZEIT: Zinni wurde bei seiner letzten Mission im Dezember von einer Gewaltwelle regelrecht vertrieben. Hat er diesmal bessere Chancen?

ALPHER: Das hängt davon ab, ob er diesmal über mehr Autorität verfügt als beim letzten Mal. Konkret heißt das - die Möglichkeit zu haben, echten Druck auszuüben, die Köpfe zusammenzuschlagen, mit dem Ausbleiben von finanzieller Unterstützung zu drohen und schwere (politische) Artillerie herbeizurufen. Zu sagen: Wenn nichts vorangeht, dann hört ihr vom Präsidenten persönlich. Im Unterschied zum letzten Mal ist Zinni diesmal von Bush geschickt worden und nicht von USAußenminister Powell, Wenn er erfolgreich sein will, dann muss er für die Palästinenser auch einen "politischen Horizont" öffnen. Er muss eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über einen Rückzug der Israelis aus den besetzten Gebieten zustande bringen. Das war aber nicht sein bisheriges Mandat. Dies hatte sich nur auf das Erreichen eines Waffenstillstands beschränkt. Die Gewalt wird eines Tages enden. Dafür brauchen Israelis und Palästinenser Hilfe, und diese Hilfe muss aus Washington kommen.

Z E IT: Wie sieht das der israelische Ministerpräsident?

ALPHER: Es gibt Anzeichen in Ariel Scharons Verhalten, dass Zinni ein stärkeres Mandat bekommen hat. Scharon hat nun auf die siebentägige Ruhefrist als Vorbedingung für die Wiederaufnahme von Verhandlungen über eine Waffenruhe verzichtet. Und er hat Arafats Hausarrest aufgehoben, auch wenn er damit das Auseinanderfallen seiner Regierung riskiert. Das ist typisch für Scharons Politik im letzten Jahr. Er hat immer dann ausschließlich militärisch reagiert, wenn er einen Konsens hinter sich glaubte: die Unterstützung einer breiten Koalition, der öffentlichen Meinung und Washingtons. Er hat seine Panzer immer dann gestoppt, wenn er Druck spürte, sei es von den Außenministern Peres und Powell oder der Bevölkerung. Heute ist Scharons Popularität von 70 Prozent auf 42 Prozent gesunken.

ZEIT: Für die Razzien in den Flüchtlingslagern aber gibt es Unterstützung. Viele Israelis sagen sogar, dass Scharon dies schon vor einem Jahr hätte tun müssen.

ALPHER: ja, denn diese Art von Antiterrorkampagne ist wenigstens erfolgreich, und man kann Resultate wie die Zerstörung von Waffenfabriken vorweisen. Außerdem gibt es dabei verhältnismäßig wenig Opfer auf palästinensischer Seite und kaum Opfer unter den israelischen Soldaten. Um weiterzumachen, muss Scharon aber auch eine echte Bereitschaft zu Konzessionen zeigen. Manche Leute prophezeien schon jetzt, dass wir einen neuen Scharon vor uns haben, der die Rechte hinter sich gelassen hat und nach links dreht. Ich glau be, dass es noch viel zu früh ist, um zu dieser Schlussfolgerung zu kommen. Dazu müssen wir erst die nächsten drei Wochen abwarten, die Missionen von Cheney und
Zinni und den arabischen Gipfel Ende März in
Beirut.

ZEIT: Auf dem Gipfel könnte die jüngste Initia
tive aus Saudi-Arabien eine große Rolle spielen. Kronprinz Abdallah hatte einen Frieden der arabischen Welt mit Israel im Austausch für einen israelischen Rückzug bis an die Grenzen von 1967 vorgeschlagen.

ALPHER: Der Vorschlag der Saudis ist bereits
verwässert worden. jetzt ist schon nicht mehr
wie am Anfang die Rede von einer "Normali
sierung der Beziehungen zwischen der arabi
schen Welt und Israel, sondern von einem
vollen Frieden. Man kann dies auch als pure
Semantik abtun. In jedem Fall aber handelt es sich um einen wichtigen Vorschlag, vor allem weil er nicht auf die palästinensische Flüchtlingsfrage eingeht. Und es besteht eine gute Chance, dass der Vorschlag angenommen wird. Zumal die Gegner, Irak und Libyen, ohnehin nicht kommen wollen. Wenn der Vorschlag in Beirut angenommen würde, dann wäre dies eine wich.ige Entscheidung, die aber nur dann potenziell effektiv wäre, wenn sie die Rückendeckung der Amerikaner erhielte. Im Idealfall müsste der Sicherheitsrat daraus eine UN-Resolution machen, sodass die internationale Gemeinschat dahinter steht. Scharon allerdings hat ein Problem damit. Denn er will nicht an die Grenzen von 1967 zurück.

ZEIT: Wie aber steht die israelische Öffentli keit dazu?

ALPHER: Es gibt sehr starke Widersprüche innerhalb der israelischen wie auch in der
paläinensischen Bevölkerung, was typisch ist für diese Art von gewalttätigen Auseinander setzungen. Einerseits ist man sehr militant, man will hart draufschlagen und die andere Seite bestrafen; und zugleich gibt es eine Bereit schaft, in Zukunft friedlich in zwei Staaten nebeneinander zu leben. Die meisten Israelis wollen einen Rückzug aus dem gesamten GazaStreifen und einem Großteil des West-jordanlands und sind für die Errichtung eines separaten Palästinenserstaats - notfalls sogar ohne ein Abkommen. In dieser Hinsicht gibt es eine Entkoppelung zwischen der moderaten Seite der Öffentlichkeit und der Regierung.

ZEIT: Immer mehr Stimmen auf beiden Seiten sagen, dass sowohl Scharon wie auch Arafat im Grunde ausgedient hätten.

ALPHER: Ich bin ziemlich sicher, dass Scharon keine territoriale Konzession für ein Abkommen machen würde. Und ich bin ziemlich sicher, dass auch Arafat nicht bereit ist, ein Ende des Konflikts mit Israel zu erreichen. Er hat keine realistische Friedensstrategie.

ZEIT: Wozu also alle die Bemühungen?

ALPHER: Das heißt nicht, dass man nicht einen Waffenstillstand und über mögliche Zwischenabkommen reden kann. Und in jedem Fall wechseln die Regierungschefs, jedenfalls auf israelischer Seite. Ich bin ganz für die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Arafat, denn der kann noch zehn Jahre lang leben. Wir müssen es weiter versuchen, auch wenn ich den Ausgang bezweifle. Denn Reden ist besser als Kämpfen.



www.bitterlemons.org





Auszug aus: DIE ZEIT 14. März 2002








@ AITSCHJIE 2002




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